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Vorläufige Finanzergebnisse der GKV für das Jahr 2024
Publiziert auf www.bundesgesundheitsministerium.de
Entwicklungen bei den Ausgaben
Die Krankenkassen verzeichneten im Jahr 2024 bei einem Versichertenzuwachs von 0,3 Prozent einen Zuwachs der Leistungsausgaben und Verwaltungskosten von 7,7 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 8,1 Prozent, die Verwaltungskosten reduzierten sich um 0,6 Prozent. Damit hat sich die Ausgabendynamik sowohl gegenüber dem Vorjahr (2023: +5,0 Prozent) als auch gegenüber den vorläufigen Rechnungsergebnissen im 1.-3. Quartal 2024 (+7,5 Prozent) beschleunigt. Die Ausgabendynamik zeigt sich dabei in vielen Leistungsbereichen gegenüber dem langjährigen Schnitt deutlich erhöht, was insbesondere auch an der in der GKV zeitlich nachgelagert wirkenden Inflation liegt, welche 2024 für hohe Preis- und Vergütungsanpassungen sorgte. In absoluten Zahlen stiegen die Leistungsausgaben und Nettoverwaltungskosten der Krankenkassen im Jahr 2024 um 23,3 Mrd. Euro.
Maßgeblich beeinflusst wurde diese äußerst dynamische Entwicklung durch die Aufwendungen für Krankenhausbehandlungen, die um rund 8,1 Mrd. Euro (+8,7 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr wuchsen. Im isolierten 4. Quartal 2024 betrug das Wachstum 11,1 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 2023. Der entsprechende Ausgabenanstieg von 2,7 Mrd. Euro allein im 4. Quartal lag damit höher als der in den Jahren 2022, 2020 und 2018 jeweils im Gesamtjahr verbuchte Ausgabenanstieg. Ein besonders dynamisches Wachstum wird erneut bei den Pflegepersonalkosten verzeichnet, welche im 1.-4. Quartal um 2,6 Mrd. Euro (+13,1 Prozent) gestiegen sind. Zwar wuchsen die Krankenhausausgaben ohne Pflegepersonalkosten mit +7,5 Prozent weniger stark, jedoch stellt auch dies eine im langjährigen Vergleich hohe Dynamik dar.
Noch dynamischer ist der Ausgabenanstieg im Bereich der Arzneimittel, welcher unter anderem aufgrund der in 2024 ausgelaufenen (einmaligen) Anhebung des Herstellerrabattes in 2023 um 9,9 Prozent (+5,0 Mrd. Euro) gewachsen ist. Die Brutto-Aufwendungen für Arzneimittel ohne Rabatte wuchsen gegenüber dem Vorjahr um rund 7 Prozent (+4,2 Mrd. Euro). Dies stellt den stärksten Anstieg seit über 10 Jahren dar. Hervorzuheben ist dabei die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV). Aufgrund der zunehmenden Bedeutung dieser Versorgungsform, stiegen die Leistungsausgaben für Arzneimittel im Rahmen der ASV um rund 30 Prozent bzw. 723 Mio. Euro. Auch die Arznei- und Verbandmittel aus Versandhandel entwickelten sich sehr dynamisch (+59,7 Prozent bzw. +246 Mio. Euro).
Die Aufwendungen für ambulant ärztliche Behandlungen verzeichneten einen Anstieg von +6,3 Prozent bzw. +3,0 Mrd. Euro. Stark überdurchschnittlich wuchsen dabei die Aufwendungen für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung durch Vertragsärzte und im Krankenhaus (+24,7 Prozent bzw. +119 Mio. Euro), in der hausarztzentrierten Versorgung (+11,2 Prozent bzw. +214 Mio. Euro), für die ärztliche Behandlung in Hochschulambulanzen (+10,7 Prozent bzw. +139 Mio. Euro), die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (+16,7 Prozent bzw. +126 Mio. Euro) sowie für ärztliche Leistungen im Rahmen der integrierten Versorgung (+10,1 Prozent bzw. +127 Mio. Euro). Ohne die genannten Bereiche entwickelte sich der ärztliche Bereich mit +2,2 Mrd. Euro (+5,4 Prozent).
Viele kleine und mittlere Leistungsbereiche verzeichneten ebenfalls ein äußerst dynamisches Ausgabenwachstum. Deutlich überproportional gestiegen sind die Ausgaben im Bereich Behandlungspflege und häusliche Krankenpflege einschließlich der außerklinischen Intensivpflege (+12,7 Prozent bzw. +1,2 Mrd. Euro), bei den Heilmitteln (+10,4 Prozent bzw. +1,3 Mrd. Euro) sowie bei den Aufwendungen für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen (+10,7 Prozent bzw. +450 Mio. Euro) sowie für Schutzimpfungen (+10,9 Prozent bzw. +314 Mio. Euro).
Dem stehen nur wenige Bereiche mit einem moderaten Wachstum gegenüber. Dies gilt beispielsweise für die Aufwendungen für zahnärztliche Behandlungen (+3,1 Prozent bzw. +418 Mio. Euro) und Zahnersatz (+3,8 Prozent bzw. +151 Mio. Euro). Die Vergütungsanstiege für zahnärztliche Behandlungen unterlagen im Jahr 2024 noch begrenzenden Regelungen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes.
Erfreulich an der Entwicklung im 1.-4. Quartal 2024 ist der kräftige Schub bei der Ambulantisierung. So verbuchten die Krankenkassen im ersten Jahr der Hybrid-DRG bereits Ausgaben in Höhe von rund 563 Mio. Euro für diese neue sektorenübergreifende Versorgungsform. Davon entfällt mit 432 Mio. Euro ein Großteil auf die Krankenhäuser, die starke Rückgänge bei den entsprechenden vollstationären DRG-Abrechnungspositionen verzeichnen. Doch auch die ambulanten Operationen nach AOP-Katalog verzeichnen im Krankenhaus (+17,2 Prozent bzw. +144 Mio. Euro) und bei den Vertragsärzten (+9,4 Prozent bzw. +215 Mio. Euro) ein kräftiges Wachstum (insgesamt +11,5 Prozent).
Die Netto-Verwaltungsausgaben verminderten sich für das Jahr 2024 um 74 Mio. Euro (-0,6 Prozent). Der Saldo aus Zuführungen und Entnahmen für Altersrückstellungen betrug lediglich 57 Mio. Euro (2023: 772 Mio. Euro). Lässt man die Altersrückstellungen unberücksichtigt, stiegen die Netto-Verwaltungsausgaben um 641 Mio. Euro (+5,3 Prozent). Die persönlichen Verwaltungsausgaben (ohne Altersrückstellungen) nahmen um 4,1 Prozent zu und die sächlichen Verwaltungsausgaben um 6,3 Prozent.
Bei der Interpretation der vorläufigen Rechnungsergebnisse ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Ausgaben in vielen Leistungsbereichen, insbesondere bei Ärzten und Zahnärzten, zu einem gewissen Grad noch von Schätzungen geprägt sind, da Abrechnungsdaten für den betrachteten Zeitraum häufig nur teilweise vorliegen. Auch die Aufwendungen für das Pflegebudget im Krankenhaus sind aufgrund der für einen Teil der Krankenhäuser noch nicht vorliegenden Abschlüsse der Verhandlungspartner vor Ort teilweise von Schätzungen geprägt.